Rezension: Das Atelier in Paris – Guillaume Musso

Schon Oktober. Die Zeit vergeht wieder rasend schnell und hier auf dem Blog ist nicht viel passiert. Ich stecke gerade mitten in den Vorbereitungen für die Frankfurter Buchmesse. Dort werde ich von Donnerstag bis Samstag herumlaufen und hoffentlich alle meine lieben Buchmenschen, Blogger- und Illustratorenkollegen wiedersehen. Ich liebe diese Zeit des Jahres sehr, obswohl ich sagen muss, dass es dieses Jahr leider in Stress ausartet.

Das könnte auch daran liegen, dass ich tausende Ideen habe und alle fünf Minuten etwas entscheide und wieder umschmeiße. Zur Vorwarnung: es könnte sein, dass ich meinen Blog demnächst umlagern und auf meiner Website weiterschreiben werde, die allerdings vorher unbedingt eine Überarbeitung benötigt. Ich wünschte manchmal, dass der Tag 48 Stunden hat, aber solange dass nicht der Fall ist, werden die Veränderungen und neuen Ideen erst nach und nach und langsamer, als mir lieb ist, umgesetzt werden.

Aus diesem Grund beschäftige ich mich gerade sehr mit Zeitmanagement und habe (als whrscheinlich letzte) das Bullet Journaling für mich entdeckt. Mal sehen, ob das für mich funktioniert.

Aber jetzt steht erstmal die Buchmesse vor der Tür. Wen werde ich denn da noch antreffen? Fahrt ihr nach Frankfurt?

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Bildquelle: Piper Verlag

Das Buch »Das Atelier in Paris*« wurde von Guillaume Musso geschrieben und ist im Pendo Verlag erschienen, der zum Piper Verlag gehört. Mir wurde das Buch freundlicherweise über NetGalley zur Verfügung gestellt.

Von Musso habe ich bereits »Vierundzwanzig Stunden*« gelesen und ich habe noch ein paar andere Bücher im Regal stehen.

In dem Buch geht es um einen mürrischen, alten Theaterautoren oder Dramaturg namens Courtance und eine Ex-Polizistin, die durch einen Buchungsfehler das gleiche Haus gemietet haben. Wie jedes Jahr will Courtance im ihm verhassten Paris ein neues Theaterstück schreiben, während Madeline Greene in ihre alte Heimat zurückkehrt, nachdem sie sich – enttäuscht von der Liebe – dazu entschieden hat, ihre eigene Familie zu gründen.

Natürlich sind sie nicht gerade erfreut, über das Aufeinandertreffen, wo sie sich doch beide auf Ruhe und Frieden gefreut haben. Doch jeder von ihnen ist auf seine Art fasziniert und interessiert an dem Künstler, in dessen Haus sie einquartiert wurden und was mit ihm passiert ist. Zunächst noch im Alleingang und dann gemeinsam, finden sie immer mehr fürchterliche Dinge über Sean Lorenz‘ Leben heraus. Der Aufstieg und Untergang eines Künstlers und wie er alle mit sich riss.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen, obwohl beide Protagonisten nicht gerade Symphatieträger sind. Im Großen und Ganzen besteht das ganze Buch aus gebrochenen Menschen. Dennoch hat man immer die Hoffnung, dass sie sich doch noch berappeln (sagt man das überhaupt?) und am Ende alles gut wird.

Leider gibt es etwa in der Mitte des Buches einige Passagen, die ziemlich langatmig sind. Zudem geht es viel um Kunst und ich kann mir vorstellen, dass jemand, der absolut nichts damit anfangen kann, auch die Ausführungen über die Gemälde und Farben langweilig findet.

Allerdings wird die Spannung weiterhin dadurch aufrechterhalten, dass man wissen will, was in Wahrheit mit Lorenz und seinem Sohn passiert ist. Kann es noch ein Happy End geben?

Und das Ende ist auch ein weiterer Kritikpunkt. Ich habe mir schon gedacht, wie es ausgehen könnte und ehrlich gesagt habe ich mir vielleicht sogar gewünscht. Allerdings fand ich es schlussendlich doch ein wenig zu konstruiert.

Fazit

Abgesehen von dem Spannungseinbruch in der Mitte und dem nicht ganz überzeugenden Ende hat mir das Buch sehr gut gefallen. Leider ist es keines der Bücher, die man wieder und wieder lesen kann. Dafür ist mir die Stimmung etwas zu depressiv. Dennoch hat es für einige schöne Lesestunden gesorgt.

Cover

Ich liebe das Cover. Ich liebe die Farbe, ich liebe das Bild. Ich könnte es mir echt den ganzen Tag anschauen, ebenso auch das Cover von »Das Mäschen aus Brooklyn*«. Dabei kann ich nicht mal sagen, was genau mich daran so sehr fasziniert. Ich denke es ist vor allem die Farbe.

(Allerdings liebe ich die französischen Buchcover auch sehr)

 

Titel: Das Atelier in Paris
Preis: 12,99 € (ebook)  16,99 € (broschierte Ausgabe)
Seiten: 464 (broschierte Ausgabe)
ISBN: 978-3-866-12446-2

 

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Rezension: Gebrauchsanweisung für Island

Island Gebrauchsanweisung cover

Das Buch “Gebrauchsanweisung für Island“* wurde von Kristof Magnusson geschrieben und ist im Piper Verlag erschienen. Mir wurde das Buch freundlicherweise über netgalley zur Verfügung gestellt.

Island ist ein Land, das mich seit vielen Jahren sehr fasziniert, deshalb ist mir das Buch gleich ins Auge gestochen. Auch wegen dem Cover, das natürlich ein absoluter Hingucker ist. Dieser winzige Mensch mit diesem riesigen Wasserfall im Hintergrund. Was für eine Naturgewalt und diese wunderschönen Farben (hach).

Die Art, wie Kristof Magnussons die isländische Mentalität beschreibt, hat mir sehr gut gefallen. Immer mit ein bisschen Humor, Augenzwinkern, aber auch kritisch. Man merkt schnell, dass Island ein Land ist, bei dem es sich lohnt, etwas tiefer zu graben und etwas mehr in die Geschichte einzutauchen, um die Dinge zu verstehen, die auf dem ersten Blick widersprüchlich erscheinen.

Dieses Buch ist wirklich mehr als Gebrauchsanweisung zu verstehen und weniger als Reiseführer. Der Autor führt uns durch die Geschichte von Island, ihre Entstehung, die raue teilweise unberührte Natur, die dort zu finden ist, und zeigt uns so, wie das Land zu verstehen ist. Es geht los bei dem unaussprechlichen Vulkan Eyjafjallajökull, der die Welt mehrere Tage in Atem hielt, über die Mythologie und die heißen Töpfe zur Finanzkrise und wie es dazu kommen konnte.

Da Kristof Magnusson selber Isländer ist, allerdings in Deutschland aufgewachsen, hat er natürlich eine ganz besondere Sicht auf Land und Leute. Durch die familiäre Nähe zu dem Land hat er mehr Einblicke in den Alltag und das Leben der Menschen als so mancher andere. Gleichzeitig schafft er es, manche Dinge mit einem Zwinkern zu sehen und andere mit einem kritischen Auge. Und er beantwortet die Fragen, die man sich als Außenstehender öfter mal fragt, wenn man auf dieses Land mit den wenigen Einwohner blickt. Wie schaffen sie es, all ihre politischen Verpflichtungen einzuhalten oder mehrere Berufe gleichzeitig auszuüben?

Ich fand es extrem interessant zu lesen, wie die Isländer so ticken, welche Vorfälle die Menschen geprägt haben, und was die Badekultur für sie bedeutet. Ich hatte einige Aha-Momente und musste oft schmunzeln. Manche Stellen waren mir hingegen zu langatmig. Schade fand ich auch, dass nur wenige Sehenswürdigkeiten angesprochen wurden, aber es ist eben kein Reiseführer.

Andererseits hat mir besonders die persönliche Note gefallen, die der Autor mit reingebracht hatte. Wie er Island als Kind erlebt hat, die Besuche bei Freunden und Familie, und was er selber über manche Entwicklungen denkt usw.

Fazit

Dieses Buch ist für jemanden gedacht, der noch nicht allzu viel über die Insel weiß, sich aber ein wenig einlesen will. Es ist ein guter Einstieg, um ein bisschen mehr über Islands Geschichte und das Wesen der Leute zu erfahren, die dort leben.

Titel: Gebrauchsanweisung für Island
Preis: 12,99 € (ebook)  15,00 € (Taschenbuch) 28,00€ (gebundenes Buch)
Seiten: 208 (gebundenes Buch)
ISBN: 978-3-492-99052-3

Rezension: Ein Sommer in den Hamptons

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Ich habe Anfang des Jahres alle Staffeln von Gossip Girl „gesuchtet“. Ich habe immer gedacht, dass das absolut nichts für mich ist, und wurde schnell vom Gegenteil überzeugt. Irgendetwas hat die Serie, das mich echt gefesselt hat. Die Reichen und Schönen dieser Serie verbringen den Sommer ja auch ganz gerne in den Hamptons, deshalb ist mir dieses Buch direkt ins Auge gesprungen.

Abgesehen davon ist das Cover ein absoluter Hingucker und sieht in echt noch viel besser aus. Die Schrift glitzert, was man auf den Fotos nicht erkennen kann.

 

 Bildquelle: Goldmann Verlag

Das Buch “Ein Sommer in den Hamptons“* wurde von Karen Swan geschrieben und ist im Goldmann Verlag erschienen. Mir wurde das Buch freundlicherweise über das Bloggerportal zur Verfügung gestellt.

Es ist das erste Buch, das ich von der Autorin gelesen habe.

Als Rowenas Freund Matt verkündet, dass er eine 6-monatige Reise durch Südostasien macht, und erst mal eine Beziehungspause braucht, ist Ro am Boden zerstört. Zur gleichen Zeit fliegt sie beruflich nach New York, um dort als Hochzeitsfotografin zu arbeiten. Dort lernt sie Humphrey kennen, der noch Mitbewohner für sein Haus in den Hamptons sucht. Kurzerhand überredet er Ro, in die USA zu kommen und den Sommer bei den Reichen und Schönen zu verbringen. In den nächsten Tagen sind also Meer, Sonne, weiße Strände und exklusiver Partys angesagt.

Der Einstieg war schwierig für mich. Ich konnte Ros Handlungen nicht wirklich nachvollziehen. Ich verstehe nicht so ganz, wie sie die ganze Zeit daran glaubt, dass es nach einer sechsmonatigen Beziehungspause einfach so weiterlaufen kann, wie sie sich das vorgestellt hat. Hochzeit, Kinder, glücklich bis ans Lebensende. Sie läuft auch die erste Zeit in den Klamotten von Matt herum und ich konnte die ganze Zeit nur mit dem Kopf schütteln. Das hat mich einfach nur mega genervt, ebenso wie sie die ganze Zeit in Selbstmitleid versinkt. Gleichzeitig fand ich sie total mutig. Einfach mal in ein anderes Land zu reisen, sie kennt niemand dort und baut sich einen kleinen Kundenstamm dort auf.

Je mehr ich gelesen habe und je tiefer ich in die Geschichte eingestiegen bin, desto wohler habe ich mich gefühlt. Und nachdem ich ein Drittel des Buches gelesen habe, habe ich mich richtig darauf gefreut weiterzulesen. Das ist auch mein Kritikpunkt. Es hat lange gedauert, bis mir die Charaktere nahe genug waren, um ihre Geschichte weiterverfolgen zu wollen. Ro wurde endlich selbstbewusster, attraktiver, offener. Sie zieht sich endlich ihre eigenen Klamotten an. Und auch die anderen Charaktere werden interessanter, fügen sich besser in die Geschichte ein.

Der Schreibstil ist locker und leicht. Die Beschreibungen sind wunderschön und man kann sich gut vorstellen, wie es dort aussehen muss. Im Laufe des Buches passieren dann auch noch Mordanschläge und es geht in eine kriminalistische Richtung, was mir sehr gut gefallen hat. Mehr Spannung.

Nach und nach lernt man die anderen Charaktere kennen, was sie antreibt, warum sie handeln, wie sie handeln, wie unterschiedlich sie mit den Schicksalsschlägen umgehen, die sie oft hart treffen.

Die langgezogen Szenen, in denen nicht viel passiert, wechseln sich mit den spannenden Stellen ab.

Fazit

Ein Sommerroman zum Entspannen, in dem es um Freundschaft, um das Leben, um Neuanfänge und um Schicksalsschläge geht, und wie unterschiedlich man damit umgehen kann. Und natürlich geht es auch ein bisschen um die Liebe. Wenn man den ersten Teil geschafft hat und sich mit dem langsamen Schreibstil der Autorin angefreundet hat, ist es eine wunderschöne Geschichte perfekt für den Sommer.

Titel: Ein Sommer in den Hamptons
Preis: 9,99 € (ebook)  10,00 € (Taschenbuch)
Seiten: 592 (Taschenbuch)
ISBN: 978-3-442-48750-9 

Rezension: Scythe – der Zorn der Gerechten

scythe - der Zorn der Gerechten cover

Bildquelle: S. Fischer Verlage

Das Buch “Scythe – Der Zorn der Gerechten“* wurde von Neal Shusterman geschrieben und ist im FISCHER Sauerländer Verlag erschienen. Mir wurde das E-Book freundlicherweise über NetGalley zur Verfügung gestellt.

Die Geschichte geht weiter. Wir wissen jetzt, wer den Kampf gewonnen hat. Citra hat ihren neuen Namen Scythe Anastasia gewählt und Rowan treibt als Scythe Lucifer sein Unwesen. Beide sind umstritten. Beiden wird nach dem Leben getrachtet. Auf Anastasia wird ein Mordanschlag verübt, wogegen Rowan vom ganzen Scythetum verfolgt wird, um angeklagt und hingerichtet bzw nachgelesen zu werden. Zudem teilt sich das Scythetum in zwei Lager. Die neue Ordnung, die Scythe Goddard als Vorbild haben, und nach dessen Art leben und nachlesen will, und die alte Ordnung. Es geht also brisant weiter.

Der zweite Teil schließt nahtlos an Teil 1 an. Zum Glück hatte ich letzteren erst vor Kurzem gelesen, sonst hätte ich wahrscheinlich ein paar Dinge noch mal nachlesen müssen, denn es gibt keinerlei Erklärungen, was bisher geschehen ist.

Die Bücher werden ja total gehypt und von allen abgöttisch geliebt. Ich bin da eher zwiegespalten. Insgesamt fand ich die Handlung ziemlich zäh und langgezogen. Das hat mich auch schon am ersten Teil gestört. Allerdings hat Neal Shusterman es echt drauf zu überraschen und Wendungen einzubauen, mit denen ich niemals gerechnet hätte. Das war einfach klasse. Die Handlung war auch nicht vorhersehbar, wie es in so vielen anderen Büchern der Fall ist. Genau deshalb freue ich mich auch schon auf den nächsten Teil. Ich muss einfach wissen, wie es weitergeht.

Es wird aus den Sichtweisen verschiedener neuer und bereits bekannter Charaktere erzählt. Die Handlungen verbinden sich teilweise miteinander und trennen sich wieder. Jeder hat sein eigenes Ziel, das er verfolgt und man weiß nicht, wohin das alles im Endeffekt führen wird. Werden sie sich wiedertreffen, gibt es neue Erkenntnisse oder wird alles im Sand versinken und das ganze Scythetum untergehen?

Was mir allerdings weiterhin fehlt, ist eine nachvollziehbare Entwicklung der Charaktere. Citra ist plötzlich eine weise und reife Persönlichkeit, wogegen Rowan zum blutrünstigen Rächer mutiert ist. Und die große Liebe, die beide füreinander empfinden, verstehe ich auch nicht. Für mich ist aus einer Konkurrenzbeziehung eine solide Freundschaft geworden.

Diesmal gibt es keine Tagebucheinträge der Scythe, stattdessen befinden sich am Ende der Kapitel die philosophischen Gedanken des Thunderhead. Mir haben die kurzen Unterbrechungen ganz gut gefallen – nochmal über alles nachdenken, darüber, wie sich die Welt entwickelt und wofür der Thunderhead erschaffen worden ist. Er wirkt wie ein allsehendes Auge, das alles sieht, und ab und zu mal nach eigenem Ermessen eingreift. Allerdings waren mir die Gedanken manchmal zu menschlich, aber wer weiß, vielleicht steht uns das ja demnächst bevor. Dieses Buch ist schließlich eine Zukunftsversion.

Diese Einträge haben allerdings bisher noch nichts mit der Handlung zu tun und laufen nur nebenher.

Fazit: Wie gesagt, ich bin zwiegespalten. Es gibt Längen, die es mir schwer gemacht haben, weiterzulesen. Aber die Wendungen sind einfach genial und unvorhersehbar. Ich muss unbedingt wissen, wie es ausgeht.

Ich dachte ja eigentlich, dass es nur eine Dilogie sein würde, allerdings gibt es wohl noch einen dritten Teil, denn der zweite Band endet mit einem fiesen Cliffhänger.

Titel: Scythe – Der Zorn der Gerechten
Preis: 16,99 € (ebook)  19,99 € (gebundene Ausgabe)
Seiten: 544 (gebundene Ausgabe)
ISBN: 978-3-737-35507-0

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Fischer Sauerländer Verlag

 

Rezension: Iron Flowers – Die Rebellinnen von Tracy Banghart

Bildquelle: S.Fischer Verlag

Ich habe das Buch „Iron Flowers*“ von Tracy Banghart aus dem Sauerländer FISCHER Verlag bei einer Leserunde auf Lovelybooks gewonnen und mich sehr darüber gefreut, mitlesen zu dürfen. Vielen Dank

Serina und Nomi leben in einer Welt, die von Männern beherrscht wird. Frauen haben hier nichts zu sagen. Sie sollen entweder schön aussehen und brav dem Regenten als Grace zu Diensten sein, oder schuften sich in den Fabriken zu Tode. Sie haben keine Rechte, dürfen weder schreiben noch lesen lernen und schon gar keine Widerworte geben. Serina fügt sich ihrem Schicksal und soll zur Grace ausgewählt werden, ihre Schwester Nomi soll sie begleiten. Nomi könnte nicht gegensätzlicher sein. Sie ist wild und rebellisch und vor allen Dingen hasst sie es, dass sie nicht gleichgestellt ist mit den Männern. Und dann passiert das Unfassbare. Alles wird anders, als gedacht und die beiden Schwestern werden auseinandergerissen und jede von ihnen ist plötzlich in ihrem jeweils allergrößten Albtraum gefangen. Doch Aufgeben steht nicht zur Debatte.

Aufgabe: wo ich lese. Am liebsten vor dem Schlafengehen 🙂

Man fällt regelrecht in die Geschichte rein und ist am Anfang direkt bei einer wichtigen Entscheidung dabei. Leider bekommt man nicht wirklich mit, worum es geht, das wird erst nach und nach aufgeklärt.
Serina und Nomi brechen auf eine kurze Reise Richtung Palast auf. Serina hofft darauf, als Grace ausgewählt zu werden, und Nomi soll als ihre Dienerin bei ihr bleiben.

Leider bleibt das Dorf, in dem Nomi und Serina leben, sehr blass. Es wird zwar während der Geschichte immer mal wieder von dem Dorf gesprochen, aber ich konnte mir absolut nicht vorstellen, wie es da aussieht, weil das nie beschrieben wird. Es wird auch nicht erklärt, wie es um die Familien gestellt ist, die dort leben, oder wie Nomi, Serina und Renzo, ihr Bruder, dort aufgewachsen sind. Was haben sie den ganzen Tag gemacht? Was machen ihre Eltern?

Insgesamt bleibt die Welt, in der wir uns während der Geschichte befinden,  außen vor. Es wird erwähnt, dass es ärmere und reichere Gebiete gibt, aber das meiste spielt sich im Schloss und auf der Insel des Verderbens ab.

Und auch die Charaktere bleiben dadurch sehr blass. Für mich hatten Nomi und Serina irgendwie keine richtige Vergangenheit und das hat mir sehr gefehlt. Ebenso die anderen Charaktere. Malis, Ines, Cassia und vor allem Malachi und Asa. Irgendwie leben alle im Hier und Jetzt und geben kaum etwas von sich preis. Es gibt nur ein paar Andeutungen, die hoffentlich in den nächsten Teilen aufgelöst werden.

Serina war mir von Anfang an unsympathisch und das blieb auch leider das ganze Buch über so, obwohl sie sich am Ende zu einer Rebellin entwickelt. Dies war aber so vorhersehbar, dass ich es wohl irgendwie langweilig fand. Die Geschichte wird durchgehend in der dritten Person und abwechselnd aus Sicht von Nomi und Serina erzählt. Nomis Kapitel haben mir dabei viel besser gefallen.

Mir gefiel, wie rebellisch sie ist und wie sie versucht hat, alles zu tun, um sich und ihre Schwester zu retten, auch wenn sie manchmal falsche Entscheidungen getroffen hat, fügt sie sich nicht ihrem Schicksal. Leider ist sie am Ende nicht mehr so rebellisch und selbstbewusst, wie am Anfang, was mich sehr enttäuscht hat. Warum ist sie plötzlich so vertrauensselig? Wo ist ihr wacher Verstand geblieben? Ich habe die ganze Zeit darauf gehofft, dass sie ihren Misstrauen wiederfindet und wieder zu der starken Persönlichkeit wird, die sie am Anfang war.

Was mir besonders gut gefallen hat, ist, dass die beiden Schwestern, so unterschiedlich sie auch sind, alles tun, um die jeweils andere zu retten. Familie ist ihnen besonders wichtig.

Wie gesagt, die anderen Charaktere bleiben sehr blass. Es wird angedeutet, dass sie so einiges zu erzählen haben, aber das wird hier völlig außen vor gelassen. Schade.

Es gab noch einige andere Stellen, an denen bei mir Fragen aufgekommen sind, und die ich irgendwie unlogisch fand, aber vielleicht wird das ja auch erst im nächsten Teil aufgeklärt?

Der Schreibstil von Tracy Banghart ist sehr einfach gehalten und gut und flüssig lesbar. Das Buch richtet sich an Jugendliche und das merkt man dem Schreibstil an. Die Kapitel sind kurz und enden immer mit einem Mini-Cliffhänger, so dass man kaum erwarten kann weiterzulesen.

Das Cover ist zwar interessant und anscheinend sehr beliebt, aber ich persönlich finde es irgendwie seltsam. Das Gesicht wirkt verzerrt, das Auge zu groß, das Kinn zu schmal, die Perspektive ist irgendwie komisch, aber das ist wohl künstlerische Freiheit 🙂 (könnte aber auch daran liegen, dass ich das als Illustratorin mit einem besonders kritischen Auge sehe)

Fazit: Trotz meiner ganzen Kritik, gefiel mir die Geschichte im Großen und Ganzen recht gut. Es steckt noch jede Menge Potenzial in der Story und ich freue mich sehr auf den nächsten Teil. Ich werde also definitiv weiterlesen 🙂

Titel: Iron Flowers – Die Rebellinnen
Preis: 14,99 € (ebook)  16,99 € (gebundene Ausgabe)
Seiten: 384 (gebundene Ausgabe)
ISBN: 978-3-737-355421

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Fischer Sauerländer Verlag

 

Rezension : Scythe – Die Hüter des Todes

scythe- die Hüter des Todes

Bildquelle: S. Fischer Verlage

Das Buch „Scythe – Die Hüter des Todes“* wurde von Neal Shusterman geschrieben und ist im FISCHER Sauerländer Verlag erschienen. Mir wurde das Ebook freundlicherweise über NetGalley zur Verfügung gestellt.

Kriege, Armut, Krankheit und sogar den Tod gibt es nicht mehr, was dazu führt, dass die Erde durch eine Überbevölkerung bedroht wird. Deshalb wurde die Scythe erfunden, die auserwählt wurden, um die Menschen zu töten und somit das zu tun, was früher durch Schicksal oder Krankheit erledigt wurde. Rowan und Citra werden dazu auserkoren gemeinsam die Ausbildung zum Scythe anzutreten und freunden sich sogar an. Doch am Ende kommt alles anders als gedacht und ihre erste Aufgabe als Scythe wird es sein, den jeweils anderen zu töten.

Citra und Rowan werden von dem ehrenwerten Scythe Faraday in die Lehre genommen und lernen die Kunst zu töten, wie man entscheidet, wer als nächster »nachgelesen«, also getötet wird, und wie man den Menschen oder deren Verwandten die Entscheidung am besten beibringt. Da jeder Scythe selber entscheidet, wie er das alles handhabt, lernt man im Laufe des Buches verschiedene Herangehensweisen kennen. So wie es im wahren Leben ist, sind nicht alle Scythe weise, sondern gerne auch blutrünstig und mit Spaß bei der Sache.

Zwischen den Kapiteln findet man immer mal wieder Tagebucheinträge von verschiedenen Scythe. Dort schreiben sie ihre Gedanken auf, und was sie im Moment bewegt. Das bringt noch ein bisschen mehr Tiefe in manche Charaktere, die man sonst nur als Begleiter von Rowan und Citra kennenlernt.

Ich fand die Idee hinter dem Buch interessant. Eine Welt, in der man ewig lebt und doch durch einen Mitbürger getötet werden kann. Für mich persönlich ist die Aussicht ewig zu leben nicht sehr erstrebenswert. Ich denke die Motivation sich Ziele zu setzen und diese zu erreichen, entsteht auch dadurch, dass man nicht ewig Zeit hat. Die Scythe bringen natürlich eine Ungewissheit mit sich. Man weiß nie, wann es einen trifft, wie im echten Leben. Die einen leben 300 Jahre und die anderen 20.

Interessant fand ich auch, dass die Leute nicht getötet, sondern »nachgelesen« werden, was dem Ganzen den Schrecken nimmt. Nachlesen hört sich – jedenfalls für mich – nicht so schlimm an.

Der Schreibstil von Neal Shusterman ist nüchtern und klar und irgendwie distanziert. Mir fehlte ein wenig der Zugang zu den Charakteren, deshalb fand ich die Tagebucheinträge ganz nett, in denen man noch ein bisschen mehr über die Personen erfährt.
Dennoch konnte ich zum Beispiel nicht nachvollziehen, dass Rowan und Citra sich irgendwie anziehend fanden, bzw, sich lieben.

Mir fehlte insgesamt etwas Spannung. Es war nicht so, dass ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht. Andererseits gefällt mir, dass das Buch einem zum Nachdenken bringt. Ist ewiges Leben erstrebenswert? Ist ein schneller Tod weniger schmerzhaft, als wenn man vorher aufgeklärt wird, wie, was und warum? Usw.

Die Protagonisten Rowan und Citra haben mir sehr gut gefallen. Sie machen eine tolle Entwicklung durch, haben interessante Ansichten, nehmen die Herausforderung an und lassen sich nicht unterkriegen, obwohl sie wissen, dass einer von ihnen sterben muss.

Ich persönlich denke oft darüber nach, dass wir dank der Medizin und dem Wissen von heute alle immer älter werden, was Vor- und Nachteile bringt hinsichtlich Rente und Ernährung. Was für eine Idee, dass es irgendwann mal so sein könnte, dass wir uns gegenseitig umbringen müssten, weil wir zwar den Tod in den Griff bekommen haben, aber den Rest nicht.

Ingesamt hat mir das Buch gut gefallen und ich bin sehr gespannt auf den nächsten abschließenden Teil.

Titel: Scythe – Die Hüter des Todes
Preis: 4,99 € (ebook)  19,99 € (gebundene Ausgabe)
Seiten: 528 (gebundene Ausgabe)
ISBN: 978-3-737-35506-3

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Fischer Sauerländer Verlag

Rezension – Ready Player One von Ernest Cline

ready player one Cover

Ich habe das Buch „Ready Player One„* von Ernest Cline schon vor ein paar Wochen gelesen, brauchte aber etwas Zeit, um die Rezension zu schreiben.

In dem Buch geht es um Wade Watts, auch bekannt als Parzival. Er lebt in einer möglichen Zukunftsversion unserer Welt. Genauer gesagt im Amerika des Jahres 2045. Die Erde ist größtenteils zerstört und die Gesellschaftsstruktur zusammengebrochen. Die Menschen leben in aufeinandergestapelte Wohnmobile. Es lohnt sich kaum noch sich in der realen Zeit aufzuhalten. Die meisten Menschen leben in der virtuellen Welt namens Oasis. Eigentlich ist es nur ein Spiel, das allerdings für viele zu einer Art Parallelleben geworden ist. Sie befinden sich permanent in dieser Welt, und legen die virtuelle Brille nur zum Schlafen ab. Die Oasis wurde von James Halliday, programmiert.
Dort gibt es alles, was man sich nur wünschen kann: verschiedene Planeten, die man erkunden kann, Grundstücke und Häuser, die man erwerben kann, es gibt sogar die Möglichkeit dort die Schule zu besuchen, man kann virtuelle Kämpfe ausfechten, usw.
Das Besondere an dieser Welt sind jedoch die Easter Eggs, die James Halliday dort versteckt hat. Kurz vor seinem Tod versteckt Halliday ein Easter Egg, das dem Entdecker das Erbe der Oasis und Hallidays Vermögen sichert. Seitdem ist eine riesige Jagd darauf ausgebrochen, bei der es leider nicht immer mit rechten Dingen zugeht und so manche Firmen sogar über Leichen gehen und das nicht nur virtuell.
Das Buch wird aus der Perspektive von Wade Watts erzählt. Er und auch seine Freunde sind ziemliche Einzelgänger. Sie leben in der virtuellen Welt und haben sich dort eine andere Identität aufgebaut. Wade hat manchmal Momente, in denen er merkt, dass er eigentlich einsam ist, aber diese Momente verfliegen schnell wieder.
Er ist total besessen von der Jagd. Seine gesamte Zeit benutzt er damit zur Schule zu gehen oder tausende Mal die gleichen Filme anzuschauen oder die Spiele durchzuspielen, die Halliday in seinem Almanach erwähnt. Er kann sogar ganze Filme eins zu eins nachsprechen.
Mir gefiel der Schreibstil selber ganz gut, auch wenn alles etwas langatmig ist. Die Geschichte beinhaltet zahlreiche Bezüge zur Popkultur der Achtzigerjahre. Jeder, der etwas mit PacMan oder Donkey Kong anfangen kann, wird hier so einiges wiedererkennen und das sehr im Detail.
Als Kind der 80er Jahre, habe ich natürlich nicht alle Anspielungen verstanden, aber das eine oder andere war mir durchaus bekannt und hat Erinnerungen wachgerufen. Leider fand ich manche Szenen und Erklärungen viel zu ausführlich beschrieben. Man merkt, die Begeisterung des Autors für diese Zeit. Aber es war doch sehr ermüdend die ganzen Details der Spiele und Filme seitenweise lesen zu müssen. Die ganze Zeit habe ich darauf gewartet, dass es endlich mit der Geschichte weitergeht.
Andererseits kann ich mir das als Film richtig gut vorstellen. Wenn es gut umgesetzt ist, denke ich könnte mir der Film vielleicht noch besser gefallen, weil es keine Längen gibt, da alles bildlich dargestellt ist. Ich freue mich total auf den Film.
Für jeden, der etwas mit den 80er Jahren anfangen kann, kann ich das Buch definitiv empfehlen, für alle anderen könnte es ein wenig langweilig sein, über Filme, Spiele und Bücher zu lesen, die einem unbekannt sind.

Titel: Ready Player One
Preis: 9,99 € (ebook)  9,99 € (Taschenbuch)
Seiten: 544 (Taschenbuch)
ISBN: 978-3-596-296590